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Standards für mobile Robotik

LIF – Layout Interchange Format: die standardisierte Sprache für AGV-/AMR-Layouts

LIF ist ein offener, herstellerneutraler Datenaustauschstandard, mit dem Layoutdaten für fahrerlose Transportsysteme – Fahrwege, Knoten und Stationen – zwischen Planungswerkzeugen und Flottenmanagementsystemen ausgetauscht werden. Dieser Leitfaden erklärt, was LIF enthält, wofür es gebraucht wird und wie es sich zu VDA 5050 verhält.

Was ist LIF?

LIF steht für Layout Interchange Format und bezeichnet einen offenen Datenstandard für den Austausch von Layoutinformationen fahrerloser Transportsysteme (FTS/AGV) und autonomer mobiler Roboter (AMR). Der Standard wurde im Umfeld des VDMA entwickelt – demselben Verbandsumfeld, das auch VDA 5050 hervorgebracht hat – und beschreibt, wie ein physisches Layout in eine maschinenlesbare, herstellerneutrale Struktur überführt wird.

Konkret definiert LIF eine graphbasierte Repräsentation der befahrbaren Fläche: Knoten als Positionen, Kanten als Verbindungen dazwischen und Stationen als Punkte, an denen Fahrzeuge Aufträge ausführen. Diese Struktur ist unabhängig vom eingesetzten Flottenmanagementsystem oder Fahrzeughersteller – ein LIF-Layout lässt sich grundsätzlich von jedem kompatiblen System importieren, unabhängig davon, mit welchem Werkzeug es erstellt wurde.

Technisch handelt es sich bei LIF um ein strukturiertes, textbasiertes Dateiformat, das sich mit Standard-Werkzeugen versionieren, in Git-Repositories ablegen und in automatisierten Prüfläufen validieren lässt – anders als proprietäre Binärformate, die häufig an ein einzelnes Herstellerwerkzeug gebunden sind. Diese Offenheit ist kein Nebeneffekt, sondern zentrales Designziel: Ein Layout soll sich prüfen, versionieren und über Werkzeuggrenzen hinweg nachvollziehen lassen, so wie es bei anderen Austauschformaten im Anlagenbau – etwa AutomationML oder IFC im Hochbau – längst üblich ist.

Wichtig ist die Abgrenzung zum Begriff „Layout" im umgangssprachlichen Sinn: LIF ist kein Ersatz für die CAD-Zeichnung der Halle, sondern eine daraus abgeleitete, auf Fahrzeugrouting spezialisierte Sicht. Wände, Regale und andere bauliche Elemente sind für LIF nur insoweit relevant, wie sie die befahrbaren Flächen begrenzen – die eigentliche Nutzlast des Formats sind Knoten, Kanten und Stationen als Grundlage für Routing- und Verkehrslogik im Flottenmanager.

Welches Problem LIF löst

Vor LIF hatte praktisch jeder Hersteller von Flottenmanagementsystemen sein eigenes, proprietäres Layoutformat. Ein Layout, das für ein System erstellt wurde, ließ sich nicht ohne Weiteres in ein anderes System überführen. Wechselte ein Betreiber den FMS-Anbieter, erweiterte er sein Lager um eine zweite Roboterflotte oder arbeitete er mit mehreren Integratoren gleichzeitig, musste das Layout in der Regel komplett neu gezeichnet werden.

Das führte zu doppelter Arbeit, erhöhtem Fehlerrisiko bei der manuellen Übertragung und – nicht zuletzt – zu einem faktischen Vendor-Lock-in: Wer einmal ein Layout in einem proprietären Format investiert hatte, scheute den Wechsel zu einem anderen System, allein wegen des Aufwands der Neuerstellung.

LIF adressiert genau diese Reibung. Statt für jedes Zielsystem eine eigene Repräsentation zu pflegen, wird das Layout einmal in einem standardisierten Format erstellt und kann von jedem LIF-kompatiblen System gelesen werden. Das reduziert Integrationsaufwand, macht Layoutdaten zu einem eigenständigen, portablen Artefakt und schafft die Grundlage für echten Herstellerwettbewerb auf Basis offener Schnittstellen statt proprietärer Formate.

Der wirtschaftliche Effekt ist dabei nicht nur theoretisch. In Multi-Vendor-Projekten – etwa wenn ein Betreiber Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller im selben Lager einsetzt oder ein Systemintegrator dieselbe Halle für mehrere Kunden mit unterschiedlichen FMS plant – summiert sich der Aufwand für redundante Layouterstellung schnell auf mehrere Personentage pro Projekt. Jede manuelle Übertragung eines Layouts von einem Format in ein anderes ist zudem eine potenzielle Fehlerquelle: falsch übertragene Koordinaten, vergessene Stationen oder abweichende Fahrzeugkonturen führen im schlimmsten Fall erst während der Inbetriebnahme zu Kollisionen oder Blockaden auf der Fläche.

• Struktur

Was eine LIF-Datei enthält

Auf hoher Ebene beschreibt LIF ein Layout als Graph aus Knoten und Kanten, ergänzt um Stationen und Metadaten.

Knoten (Nodes)

Positionen im Layout – etwa Wegpunkte, Verzweigungen oder Wartepositionen – jeweils mit eindeutiger ID und Koordinaten.

Kanten (Edges)

Verbindungen zwischen Knoten, die befahrbare Strecken beschreiben – inklusive Richtung, Länge und ggf. zulässiger Geschwindigkeit.

Stationen

Be- und Entladepunkte, Ladestationen oder Übergabepunkte, an denen Fahrzeuge Aufträge ausführen.

Metadaten

Layout-Name, Version, Ersteller und Koordinatensystem – für Nachvollziehbarkeit über mehrere Planungsstände hinweg.

Der genaue Feldkatalog ist in der offiziellen LIF-Spezifikation definiert und wird von der Standardisierungsgruppe weiterentwickelt. Dieser Überblick beschreibt die konzeptionelle Struktur, nicht das vollständige Schema.

{
  "metaInformation": {
    "projectIdentification": "Lager-Rosenheim-Halle3",
    "creator": "FleetEngine Editor",
    "exportTimestamp": "2026-07-15T09:30:00Z",
    "lifVersion": "1.0.0"
  },
  "layouts": [
    {
      "layoutId": "layout-halle3-v3",
      "layoutName": "Halle 3 – Kommissionierbereich",
      "layoutVersion": "3",
      "nodes": [
        {
          "nodeId": "N-104",
          "nodeName": "Wegpunkt Regalgang 4",
          "nodePosition": { "x": 12450, "y": 8300, "mapId": "map-halle3" }
        },
        {
          "nodeId": "N-105",
          "nodeName": "Übergabe Ladestation",
          "nodePosition": { "x": 13100, "y": 8300, "mapId": "map-halle3" }
        }
      ],
      "edges": [
        {
          "edgeId": "E-104-105",
          "startNodeId": "N-104",
          "endNodeId": "N-105",
          "maxSpeed": 1.2
        }
      ],
      "stations": [
        {
          "stationId": "ST-LADE-02",
          "stationName": "Ladestation 2",
          "stationPositions": [{ "nodeId": "N-105" }]
        }
      ]
    }
  ]
}

Vereinfachtes LIF-Beispiel: Metadaten, ein Layout mit zwei Knoten, einer Kante und einer Ladestation.

• Zielgruppe

Wer LIF braucht

LIF ist relevant für alle, die Layoutdaten zwischen Planung und Betrieb – oder zwischen mehreren Systemen – austauschen müssen.

Planer und Layout-Ersteller

Erstellen das Layout einmal und exportieren es standardisiert, statt für jedes Zielsystem ein eigenes Format zu pflegen.

Systemintegratoren

Übergeben validierte Layouts an das Flottenmanagement des Kunden – ohne manuelle Nachbearbeitung oder Formatkonvertierung.

FMS-Anbieter

Importieren Kundenlayouts über eine standardisierte Schnittstelle, statt für jeden Planungspartner einen eigenen Adapter zu bauen.

Lagerbetreiber

Behalten die Layoutdaten als eigenständiges, herstellerneutrales Artefakt – unabhängig davon, welches FMS oder welche Fahrzeuge im Einsatz sind.

• Projektlebenszyklus

LIF im Projektlebenszyklus

In der Praxis taucht LIF an mehreren Punkten eines AMR-/AGV-Projekts auf, nicht nur am Ende. In der frühen Planungsphase dient das Layout als Grundlage für Machbarkeitsstudien und Durchsatzsimulationen – noch bevor ein Vertrag mit einem FMS-Anbieter geschlossen ist. Sobald sich Layoutvarianten stabilisieren, wird das gewählte Layout als LIF-Datei exportiert und an den Systemintegrator oder FMS-Anbieter übergeben, der es in sein Flottenmanagement importiert.

Während der Inbetriebnahme dient die LIF-Datei als gemeinsame Referenz zwischen Planungsteam und Integrator: Weicht das reale Verhalten der Fahrzeuge vom geplanten Routing ab, lässt sich anhand der Layoutdaten schnell prüfen, ob die Ursache im Layout selbst liegt oder an anderer Stelle im System. Im laufenden Betrieb schließlich wird das Layout bei jeder baulichen Änderung – neue Regale, veränderte Verkehrsführung, zusätzliche Stationen – aktualisiert und erneut als LIF exportiert, statt die Änderung nur lokal im FMS nachzuziehen und die Planungsgrundlage veralten zu lassen.

Dieser wiederkehrende Export-Import-Zyklus ist der eigentliche Wert von LIF: Er macht das Layout zu einem lebenden, versionierten Artefakt, das über die gesamte Projektlaufzeit – von der ersten Machbarkeitsstudie bis zur Erweiterung Jahre später – konsistent gehalten werden kann, statt bei jedem Schritt neu interpretiert werden zu müssen.

• Abgrenzung

LIF und VDA 5050: komplementär, nicht konkurrierend

Beide Standards lösen unterschiedliche Probleme entlang desselben Projektlebenszyklus – von der Planung bis zum Betrieb.

LIF – statischer Layoutaustausch

  • • Beschreibt das Layout: Knoten, Kanten, Stationen
  • • Wird bei Planung oder Layoutänderungen ausgetauscht
  • • Herstellerneutrale, dateibasierte Übergabe
  • • Grundlage für Routing im Flottenmanager

VDA 5050 – Laufzeitkommunikation

  • • Beschreibt Aufträge, Zustände, Telemetrie
  • • Läuft kontinuierlich während des Betriebs
  • • Nachrichtenbasierte Schnittstelle (i. d. R. MQTT)
  • • Kommunikation zwischen FMS und Fahrzeug

In der Praxis ergänzen sich beide Standards: Das LIF-Layout legt fest, wo gefahren werden kann. VDA 5050 überträgt, was gerade gefahren wird. Projekte, die beide Standards nutzen, erreichen durchgängige Interoperabilität von der Planung bis zum Betrieb.

• LIF in FleetEngine

Wie FleetEngine LIF nutzt

Der FleetEngine Editor ist eine visuelle Planungsumgebung für AMR-/AGV-Layouts: Fahrwege, Knoten, Stationen, Verkehrsbereiche und Fahrzeugkonturen werden am Bildschirm entworfen, statt in CAD-Zeichnungen oder Tabellen gepflegt zu werden. Das Ergebnis exportiert FleetEngine als standardkonforme LIF-Datei, die direkt in kompatible Flottenmanagementsysteme geladen werden kann.

Auch die FleetEngine Simulation arbeitet auf Basis von LIF-Layouts: Dasselbe Layout, das für den Export vorbereitet wird, dient als Grundlage für Durchsatz-, Auslastungs- und Engpassanalysen – Planung und Simulation teilen sich also dieselbe Datenbasis, statt getrennte Modelle zu pflegen.

ScaliRo gehört zu den frühen Umsetzern des LIF-Standards. Gemeinsam mit Kunden wie ARTI Robots wurde LIF als neuer Branchenstandard frühzeitig produktiv eingesetzt – laut öffentlichem Kundenzitat von ARTI-CEO Konstantin Mautner-Lassnig konnte das Unternehmen dank FleetEngine und seiner Fahrzeugexpertise neue Industriestandards wie LIF und VDA 5050 als Marktpionier gemeinsam mit ScaliRo zügig umsetzen.

Der Unterschied zu einer reinen Zeichnung zeigt sich vor allem bei der Validierung: FleetEngine prüft beim Export, ob das Layout eine zusammenhängende, befahrbare Struktur bildet – etwa ob Stationen tatsächlich über Kanten erreichbar sind und Fahrzeugkonturen an keiner Stelle mit der Infrastruktur kollidieren. Fehler, die in einer statischen CAD-Zeichnung erst bei der Inbetriebnahme auffallen würden, werden so bereits in der Planungsphase sichtbar, bevor das Layout überhaupt exportiert wird.

LIF und VDA 5050 greifen dabei ineinander: LIF liefert das Layout für den Export, VDA 5050 überträgt anschließend die Laufzeitkommunikation zwischen Flottenmanager und Fahrzeugen. FleetEngine deckt beide Seiten dieses Zusammenspiels ab.

FleetEngine Editor – LIF-Export eines Layouts

Fazit: LIF als Grundlage für portable Layouts

LIF löst ein spezifisches, aber teures Problem: die Bindung von Layoutdaten an ein einzelnes Flottenmanagementsystem. Wer Layouts als LIF plant, exportiert und pflegt, behält die Kontrolle über eine zentrale Ressource seines Automatisierungsprojekts – unabhängig davon, welches FMS heute im Einsatz ist oder in Zukunft eingesetzt wird.

Für Teams, die AMR-/AGV-Projekte planen, ist der praktische Startpunkt meist nicht die Spezifikation selbst, sondern ein Werkzeug, das LIF als natives Exportformat anbietet – so entfällt die manuelle Formatarbeit, und der Standard wird Teil des normalen Planungsworkflows statt eines zusätzlichen Schritts am Projektende.

Gerade in Ausschreibungen und Lastenheften lohnt sich ein expliziter Blick auf die LIF-Fähigkeit der beteiligten Systeme: Wird LIF-Export und -Import als Anforderung formuliert, statt implizit vorausgesetzt, lässt sich die tatsächliche Interoperabilität zwischen Planungswerkzeug, Integrator und Flottenmanagement schon vor Projektbeginn verifizieren – und nicht erst, wenn das Layout bereits mehrfach von Hand übertragen wurde.

• Häufige Fragen

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen LIF und VDA 5050?

LIF und VDA 5050 sind komplementär, keine Alternativen. LIF beschreibt das statische Layout – Knoten, Kanten, Stationen – und wird einmalig oder bei Layoutänderungen ausgetauscht. VDA 5050 überträgt die Laufzeitkommunikation zwischen Flottenmanager und Fahrzeugen: Aufträge, Zustände, Telemetrie. Ein Fahrzeug kann VDA 5050 sprechen, ohne dass sein Layout über LIF ausgetauscht wurde – meist ist aber die Kombination beider Standards das Ziel, damit Planung und Betrieb auf derselben Datenbasis stehen.

Wer hat LIF entwickelt und veröffentlicht?

Das Layout Interchange Format wurde von einer Arbeitsgruppe im VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) im Umfeld der Fachabteilung Fahrerlose Transportsysteme entwickelt – demselben Verbandsumfeld, aus dem auch VDA 5050 hervorgegangen ist. Ziel war ein herstellerneutraler Standard für den Layoutaustausch zwischen Planungswerkzeugen und Flottenmanagementsystemen.

Welche Tools unterstützen LIF?

Eine wachsende Zahl von Flottenmanagementsystemen und Planungswerkzeugen unterstützt LIF-Import bzw. -Export, da der Standard von mehreren Herstellern und Integratoren gemeinsam getragen wird. FleetEngine gehört zu den frühen Umsetzern und exportiert Layouts direkt aus dem Editor als LIF. Der konkrete Unterstützungsstand einzelner FMS-Anbieter sollte projektspezifisch geprüft werden, da die Implementierungstiefe variiert.

Wie erstelle ich ein LIF-Layout?

Am praktikabelsten ist ein visueller Layout-Editor, der LIF direkt als Exportformat anbietet, statt die Datei von Hand zu schreiben. In FleetEngine zeichnen Sie Fahrwege, Knoten und Stationen im Editor und exportieren das validierte Ergebnis als LIF-Datei, die Sie in ein kompatibles Flottenmanagementsystem laden.

Ist LIF ein offizieller, verpflichtender Standard?

LIF ist eine offene, von der Branche getragene Spezifikation – kein gesetzlich vorgeschriebener Standard. Die Verbreitung wächst jedoch, weil er ein reales Problem löst: proprietäre Layoutformate zwischen Planung und Flottenmanagement. Projekte, die LIF nutzen, reduzieren den Aufwand für Formatkonvertierung und Vendor-Lock-in bei der Layoutdatenhaltung.

Kann ich ein bestehendes CAD-Layout in LIF umwandeln?

Direkt aus CAD-Software heraus in der Regel nicht, da CAD-Zeichnungen keine für Fahrzeugsteuerung nutzbare Graphstruktur aus Knoten und Kanten enthalten. Üblich ist, das CAD-Layout als Grundlage in einem spezialisierten Editor wie FleetEngine nachzumodellieren und von dort als LIF zu exportieren.
• Quellen

Offizielle Ressourcen

LIF wird vom VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau), Fachverband Fördertechnik und Intralogistik, als Ergänzung zu VDA 5050 veröffentlicht und weiterentwickelt. Für die verbindliche technische Spezifikation gelten ausschließlich die offiziellen Quellen:

LIF-Layouts direkt aus dem Editor exportieren

FleetEngine erstellt, validiert und exportiert Ihre AMR-/AGV-Layouts als LIF – bereit für Ihr Flottenmanagementsystem.

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