Wer ein Projekt mit mobilen Robotern plant, kennt den Moment: Das Layout steht, und dann wechselt das Flottenmanagementsystem, ein zweiter Roboterhersteller kommt hinzu oder der Endkunde will die Daten im eigenen Werkzeug pflegen. Ohne gemeinsamen Standard heißt das: von vorn. Genau hier setzt das Layout Interchange Format an. Die Spezifikation im Detail steht in unserem LIF-Leitfaden; dieser Beitrag beantwortet, was das LIF für Ihr Projekt bedeutet, wo seine Grenze verläuft und was der 2.0-Entwurf daran ändert.
Was ist das LIF?
Das LIF ist ein offener, herstellerneutraler Standard des VDMA für den Austausch von Layoutdaten mobiler Roboter und fahrerloser Transportsysteme (FTS). Eine LIF-Datei beschreibt das Layout als Graph aus Knoten, Kanten und Stationen, maschinenlesbar und unabhängig vom verwendeten Werkzeug.
Das LIF ist damit eine Übergabeschnittstelle und kein weiteres internes Dateiformat: vom Planungstool zum Flottenmanager, vom Integrator zum Betreiber, vom Hersteller zum Endkunden.
Vorher hatte jede Kombination aus Leitsteuerung und Robotertyp ihre eigene Layoutwelt: Bei jedem Systemwechsel wurde dieselbe Halle erneut abgebildet. Das kostet Zeit, erzeugt Fehler, die oft erst bei der Inbetriebnahme auffallen, und bindet an den Anbieter.
Welche Daten das LIF austauscht
Eine LIF-Datei transportiert, was ein Flottenmanagementsystem zum Routen braucht:
- Knoten (Nodes): Positionen im Layout (Wegpunkte, Verzweigungen, Wartepositionen) jeweils mit eindeutiger ID und Koordinaten.
- Kanten (Edges): befahrbare Verbindungen zwischen Knoten, inklusive Richtung, Länge und zulässiger Geschwindigkeit.
- Stationen: Be- und Entladepunkte, Ladestationen und Übergabepunkte, an denen mobile Roboter Aufträge ausführen.
- Eigenschaften je Robotertyp: Für jeden Knoten und jede Kante steht getrennt nach Robotertyp, was dort gilt: zulässige Geschwindigkeit, erlaubte Drehung und Ausrichtung, Höhen- und Lastbeschränkungen, Aktionen und, wo nötig, die Trajektorie.
- Metadaten: Layoutname, Version, Ersteller und Koordinatensystem, für die Nachvollziehbarkeit über Planungsstände hinweg.
Genauso wichtig ist, was ausdrücklich nicht drinsteht: Verkehrsführung. Die Spezifikation schließt Routenplanung, Verkehrsmanagement, Vorfahrt, Stauvermeidung und Deadlock-Verhinderung in eigenen Abschnitten als Aufgaben der Leitsteuerung aus (5.3 und 7.2). Das LIF beschreibt, wo gefahren werden darf und was dort für welchen Robotertyp gilt; wer wann fährt, entscheidet das Flottenmanagement zur Laufzeit. Wir ergänzen es dabei, wir ersetzen es nicht. Auch die CAD-Zeichnung ersetzt das LIF nicht: Die Nutzlast ist der Fahrgraph, nicht das vollständige Abbild Ihrer Anlage.
LIF und VDA 5050: die Arbeitsteilung
LIF und VDA 5050 stammen aus demselben Verbandsumfeld und werden oft in einem Atemzug genannt: sie lösen aber unterschiedliche Aufgaben entlang desselben Projektlebenszyklus:
| LIF | VDA 5050 | |
|---|---|---|
| Gegenstand | Layoutdaten: Knoten, Kanten, Stationen, Eigenschaften je Robotertyp | Aufträge, Roboterzustände, Telemetrie |
| Zeitpunkt | Planungszeit; Austausch bei Layoutänderungen | Laufzeit; kontinuierlich im Betrieb |
| Mechanik | Dateibasierte Übergabe | Nachrichtenbasiert (in der Regel MQTT) |
| Beteiligte | Planungswerkzeug ↔ Flottenmanager | Flottenmanager ↔ mobile Roboter |
Das LIF legt fest, wo gefahren werden kann; VDA 5050 überträgt, was gerade gefahren wird. Den vollen Gewinn bringt erst die Kombination, weil Planung und Betrieb dann auf derselben Datenbasis stehen.
Kurz gesagt: Das LIF liefert die Karte, VDA 5050 den Funkverkehr: wer in der Ausschreibung beides fordert, bekommt Interoperabilität von der Planung bis in den Betrieb.
Was das LIF für Integratoren und Planer bedeutet
Für Integratoren und Planer wird Layoutarbeit damit portabel: Ein einmal modelliertes Layout geht als Datei an den Flottenmanager des Kunden, an den Roboterhersteller zur Abstimmung oder als Projektdokumentation an den Betreiber, ohne Nachzeichnen und ohne Handkonvertierung.
Vier praktische Konsequenzen:
- Ausschreibungen: Formulieren Sie LIF-Import und -Export als explizite Anforderung an alle beteiligten Systeme. So prüfen Sie Interoperabilität vor Projektbeginn statt nach der dritten Handübertragung.
- Mischflotten: Fahren mobile Roboter mehrerer Hersteller auf derselben Fläche, ist eine neutrale Layoutbasis die Voraussetzung dafür, dass alle über dasselbe Layout sprechen.
- Übergabe und Pflege: Das Layout bleibt beim Betreiber und wird dort aktualisiert, statt nur im Flottenmanager nachgezogen zu werden.
- Planungs- und Simulationswerkzeuge: Stellen Sie dieselbe Frage auch dort, wo das Layout entsteht. Ein Werkzeug, das ein Layout sauber validiert, es aber nur in ein eigenes Format schreibt, löst das Problem nicht, sondern verschiebt es ans Projektende: Das Ergebnis stimmt, nur ist es nicht übergabefähig, und jemand zeichnet den Fahrgraphen für die Leitsteuerung ein weiteres Mal nach. Die Frage im Lastenheft lautet deshalb nicht, ob ein Werkzeug Layouts exportieren kann, sondern ob es LIF exportiert.
Die Grenze unseres eigenen Werkzeugs
Zur Ehrlichkeit gehört die Systemgrenze: FleetEngine simuliert graphbasierte Navigation mit Knoten, Kanten und Korridoren gemäß LIF und VDA 5050, keine freie SLAM-Navigation durch offene Flächen. Für strukturierte Intralogistik ist der Graph das passende Modell; wer SLAM-Verhalten simulieren will, braucht ein anderes Werkzeug. Und die Rollenverteilung: Wir sind kein Fleet-Management-System, wir ergänzen es und ersetzen es nicht. Die LIF-Datei aus dem Editor ist die Übergabe an das FMS Ihrer Wahl, nicht dessen Ersatz.
Was gerade passiert: der Entwurf für LIF 2.0
Seit dem 24. August 2026 liegt der überarbeitete LIF-Entwurf in der öffentlichen Konsultation. Kommentiert wird bis zum 25. September über die Issues des Repositories; am 10. September gibt es eine offene Online-Session, und am 29. Oktober stimmt der Technische Beirat der VDMA-Fachabteilung Mobile Roboter über die nächsten Schritte zur Veröffentlichung ab. Bis dahin ist Version 1.0 die freigegebene Fassung.
Ausgelöst hat die Überarbeitung VDA 5050 in Version 3: Korridore und Abweichungstoleranzen für die Hindernisumfahrung stellen neue Anforderungen an das Layoutformat.
Für Ihr Projekt zählt allerdings eine Eigenschaft des Entwurfs mehr als jede einzelne Neuerung: 2.0 ist kein Zusatz, sondern ein Bruch. Der Entwurf ersetzt die Bezeichnung Fahrzeug bis in die Feldnamen hinein durch mobiler Roboter, benennt weitere Pflichtfelder an VDA 5050 3.0 angeglichen um und wechselt den Schema-Dialekt. Weil die umbenannten Felder Pflichtfelder sind, kann ein Werkzeug für LIF 1.0 eine 2.0-Datei nicht teilweise lesen: Es scheitert an jedem Knoten und jeder Kante.
Eine Stelle ist heimtückischer als der Rest. An die des Pflichtfelds rotationAllowed tritt reachOrientationBeforeEntering: optional statt Pflicht, ohne Vorgabewert, nur für omnidirektionale Roboter — und mit umgedrehter Bedeutung. „Der Roboter darf auf der Kante drehen” ist in 1.0 ein true und im Entwurf ein false. Wer beim Migrieren nur die Feldnamen austauscht, kehrt die Aussage um, ohne dass irgendetwas eine Fehlermeldung wirft.
Aus dem einzelnen vehicleTypeId wird die Liste mobileRobotTypes, ein Eigenschaftsblock gilt also für mehrere Robotertypen. Und mapId wird am Knoten zum Pflichtfeld. Beides fällt beim Migrieren früher auf als die umgedrehte Bedeutung. Migration ist hier Handarbeit mit Prüfung, kein Suchen-und-Ersetzen.
Aufschlussreich ist auch, was der Entwurf nicht aufnimmt. Zonen bleiben draußen, weil VDA 5050 sie bereits definiert. Und die beiden Grenzen, die in Mischflotten am häufigsten weh tun, sind ausdrücklich auf eine spätere Version vertagt: welche Hüllkurve eines Roboters an welcher Kante gilt, und Wegebeschränkungen für den unbeladenen Zustand, wenn sich die Kontur mit der Last ändert. Wer solche Fälle heute plant, beantwortet sie außerhalb des Austauschformats.
Wo wir dabei stehen
FleetEngine liest und schreibt LIF heute in Version 1.0, in beide Richtungen und gegen das Schema geprüft. Ein Import kann ein bestehendes Layout ersetzen oder mit ihm zusammengeführt werden, der häufigere Fall: Das Layout lebt weiter, die Datei bringt den neuen Stand.
Ich arbeite für ScaliRo an der LIF-Weiterentwicklung beim VDMA mit. Was hier über den Entwurf steht, stammt deshalb aus dem laufenden Konsultationsstand, nicht aus einer Pressemitteilung. Sobald die neue Fassung beschlossen ist, setzen wir sie um; geplant noch in diesem Jahr.
Fazit: Layoutarbeit, die bleibt
- Das LIF macht Layoutdaten herstellerneutral austauschbar: Knoten, Kanten, Stationen, Eigenschaften je Robotertyp.
- Verkehrsführung gehört ausdrücklich nicht dazu, sie bleibt Aufgabe der Leitsteuerung.
- LIF und VDA 5050 teilen sich die Arbeit: Layout zur Planungszeit, Aufträge und Zustände zur Laufzeit.
- In Ausschreibungen gehört LIF-Fähigkeit als explizite Anforderung formuliert, und zwar mit Version: Der Entwurf für 2.0 ist zu 1.0 nicht abwärtskompatibel.
Wenn Sie wissen möchten, wie ein LIF-basierter Ablauf für Ihre Fläche aussieht, sprechen Sie mit uns: Ein Erstgespräch genügt, um den Weg von der DXF-Zeichnung zum validierten Layout durchzuspielen.
Über den Autor
Florian Köster
Florian Köster ist Mitgründer und Geschäftsführer der ScaliRo GmbH. Er verantwortet die Architektur von FleetEngine und arbeitet an der Weiterentwicklung der Standards VDA 5050 und LIF mit.
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